Erste Hilfe für Hund und Katze

Hilfe

Vorbeugung

Rüsten Sie sich für den Notfall
Falls Sie einmal in die Situation kommen sollten, Ihrem Hund oder ihrer Katze in einer Notfallsituation beistehen zu müssen, soll hier das Wichtigste in knapper Form zu finden sein, z.B. lebenserhaltende Maßnahmen, Kontaktaufnahme zum Tier, Anlegen von Verbänden, den Transport zum Tierarzt, die wichtigsten Bestandteile einer Notfallapotheke, den rechtlichen Stand, wenn Sie ein verletztes Tier finden, Ihr Tier von Dritten verletzt wird oder aber Schäden verursacht und konkrete Notfallsituationen alphabetisch geordnet von Allergie bis Verletzung.

Wir haben uns bemüht, alle Hinweise auf den neuesten Stand und so umfassend und praxisnah wie möglich zu halten. Dennoch können einzelne Notfallsituationen andere, spezielle Maßnahmen erfordern. Wenden Sie sich in einem Notfall immer an einen Tierarzt.

So beugen Sie Gefahren vor
Viele Notfälle lassen sich vermeiden, indem Sie mögliche Gefahrenquellen ausschließen: Hunde sollten beispielsweise im Straßenverkehr grundsätzlich angeleint bleiben, ebenso im Winter, wenn Seen mit dünner Eisdecke in der Nähe sind, oder im Wald, wo die Gefahr des Wilderns besteht. Dass Tiere im Sommer nichts in parkenden Autos zu suchen haben, ist klar, ebenso, dass an heißen Tagen keine Gewaltmärsche oder gar Fahrradtouren unternommen werden sollten, insbesondere mit älteren Tieren. Ungesicherte Stromleitungen stellen für jüngere Tiere eine Gefahr dar, wen sie darauf herumkauen. Katzen können bei ihren Streifzügen in gekippten Fenstern hängen bleiben oder sich mit ihrem Halsband verheddern. Rattengift, Schneckenkorn und andere gefährliche Substanzen sollten von haustieren ferngehalten werden. Eine reibungslose Geburt lässt sich durch ausgewogene Fütterung während der Trächtigkeit, vorbereitende Tierarztbesuche und ein ruhiges, ungestörtes Plätzchen zur Niederkunft sichern. Bestimmt werden Sie beim lesen des speziellen Teils noch einige zusätzliche Möglichkeiten zur Vorbeugung entdecken.

Der Zustand des Tieres

Erste Kontaktaufnahme
Wenn Sie sich einem verletzten Tier nähern, sollten Sie daran denken, dass Tiere unberechenbar werden können, wenn sie Schmerzen, Angst oder einen Schock haben. Seien Sie also vorsichtig und schützen Sie zunächst sich selbst vor Verletzungen. Viele Besitzer sind in Notfallsituationen schon von ihrem eigenen Tier gebissen worden. Beim Annähern sollten Sie möglichst ruhig und behutsam auf das Tier einsprechen und auf plötzliche Reaktionen gefasst sein. Eine Decke kann Ihnen bei schwer einschätzbaren Situationen gute Dienste leisten: Halten Sie sie vor sich, damit eventuelle Attacken des Tieres ins Leere laufen. Werfen Sie die Decke, wenn es gar nicht möglich ist, sich gefahrlos dem Tier zu nähern, über das Tier und wickeln Sie es ein. Katzen können so in einen Transportbehälter gesetzt werden.

Ist das Tier bewusstlos und sind Verletzungen zu befürchten, können Sie die Decke vorsichtig unter das Tier ziehen und diese dann mit einem Helfer wie ein Sprungtuch spannen. So vermeiden Sie, dass Sie durch Zupacken den Zustand des Tieres verschlimmern.

Prüfung der Lebensfunktion
Bei einem bewusstlosen Tier können Sie mit einfachen Mitteln dessen Zustand überprüfen:

» Achten Sie zunächst aus der Distanz auf Atembewegungen, wie das Heben und Senken des Brustkorbs.

» Prüfen Sie, ob das Tier auf Zuruf oder Händeklatschen reagiert.

» Prüfen Sie den Kreislaufzustand: Heben Sie die Oberlippe an und drücken Sie mit dem Finger auf das Zahnfleisch: Innerhalb von zwei Sekunden sollte sich die Stelle wieder rosa färben, andernfalls hat das Tier vermutlich einen Kreislaufschock erlitten.

» Den Puls fühlt man beim Tier an der Innenseite des Oberschenkels- am besten üben Sie an ihrem Hund, um die richtige Stelle zu kennen. Den Herzschlag können Sie in Höhe des Ellbogens am Brustkorb spüren.

» Sehen Sie sich die Augen an, und leuchten Sie ggf. mit einer Taschenlampe hinein: Die Pupillen sollten sich daraufhin verengen.

» Sollten die Pupillen noch reagieren, obwohl die Atmung und Herzschlag bereits ausgesetzt haben, muss sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden.

Das Anlegen von Verbänden

Schlagader- Blutungen abbinden
Bei Verletzungen und stark blutenden Wunden ist es sinnvoll, für den Transport zum Tierarzt einen Verband anzulegen. Achten Sie aber bitte darauf, dass dieser nicht zu fest sitzt. Eine Ausnahme sind pulsierende hellrote Blutungen, bei denen ein arterielles Gefäß eröffnet ist und starke Blutverluste drohen. In diesem Falle sollte direkt oberhalb der Wunde abgebunden werden oder mit einem Stapel sauberer Taschentücher oder steriler Tupfer abgedrückt werden.

Verletzungen direkt verbinden
» Direkt auf die Wunde sollte eine fusselfreie sterile Abdeckung kommen (für den Transport geht zur Not auch ein frisches Handtuch).

» Bei dauerhaften Verbänden sollte die nächste Schicht aus polsternder Verbandwatte bestehen. Bei Pfotenverbänden muss unbedingt zwischen den Zehen und unter der Afterkralle gepolstert werden, sonst können Druckstellen entstehen.

» Die ein- bis zweifingerdicke Polsterung wird mit einer elastischen Binde umwickelt und straff angezogen, ohne jedoch die Blutzirkulation abzuschnüren.

» Die äußere Schicht besteht aus gewebeverstärktem Klebeband oder Pflaster, die an stark beanspruchten Stellen wie der Sohle durch mehrere Lagen verstärkt wird.

» Um den Verband am Rutschen zu hindern, kann er auch mit Pflaster am Fell fixiert werden, allerdings nicht auf unbehaarter (oder geschorener) Haut, da sich sonst Hautentzündungen bilden.

Der Transport zum Tierarzt

Vor der Fahrt
Rufen Sie beim Tierarzt an, bevor Sie sich auf den weg machen. Ist die Praxis nicht besetzt, nennt ein Anrufbeantworter den zuständigen Notdienst. Tierärztliche Kliniken sind rund um die Uhr erreichbar. Wenn beim Tierarzt bekannt ist, dass Sie zu ihm kommen, kann dort alles für die Notfallversorgung vorbereitet werden.

» Fahren Sie niemals alleine, es sei denn, das Tier ist in einem sicheren Transport aufgehoben. Frei bewegliche Tiere im Auto können nicht nur dem Fahrer, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer gefährden.

» Hunde sollten vom Besitzer oder einer vertrauten Person auf dem Rücksitz gehalten werden, während eine zweite Person fährt. Katzen sind am besten in einem Katzentransportkorb aufgehoben.

» Gelähmte Tiere sollten auf einem Brett gelagert werden, um weitere Schäden für das Rückenmark durch Bewegungen der Bandscheibe zu vermeiden.

» Zeigt der Hund Abwehrreaktionen, kann es aus Gründen der eigenen Sicherheit nötig sein, ihm zur Untersuchung und zum Transport ein Schnauzenband anzulegen. Dazu bilden Sie mit einem festem Band oder einer Binde eine größere Schlinge und ziehen sie über der Schnauze des Hundes mit einem festen Ruck zu. Die Enden werden dann unter dem Kiefer gekreuzt und hinter dem Kopf mit einer Schleife zugebunden.

» Katzen tragen Sie am besten mit dem Nacken Griff und halten dabei die Hinterbeine mit der anderen Hand gut fest. Sehr widersetzliche Katzen kann man oft nur unter großer Vorsicht mit Hilfe einer übergeworfenen Decke in den Korb setzen.

Die Notfall- Apotheke

Eine Notfallapotheke sollte in jedem Haushalt vorhanden sein. Mit wenigen Ergänzungen können Sie sie auch für den Notfall am Tier ausstatten. Das soll jedoch keine keinesfalls eine Aufforderung zu Do- it- yourself- Behandlungsversuchen sein. Bei einem Notfall am Tier sollte immer ein Tierarzt hinzugezogen werden. Wie auch die Bestandteile der Haus- oder Autoapotheke sollte der Inhalt regelmäßig auf Verwendbarkeit überprüft und erneuert werden. Mit einigen Packungen Diätfutter, Trinkwasser und einem Durchfallpräparat wird der Notfallkasten übrigens problemlos zur Reiseapotheke und kann, am besten in einem kleinen Koffer, überallhin mitgenommen werden.

Inhalt einer Notfallapotheke:
» Gewebeverstärktes Klebeband: Es eignet sich besonders gut für Pfotenverbände, die dadurch besser vor Feuchtigkeit geschützt sind.

» Wundsalbe: Für die Nachbehandlung offener Wunden eignet sich sehr gut eine Sulfonamid- Lebertransalbe (beim Tierarzt) oder ein ähnliches Präparat.

» Thermometer: Am besten eignen sich Digitalthermometer, die auch mit biegsamer Spitze erhältlich sind (Batterie regelmäßig testen).

» Polster- und Verbandwatte: In Rollenform lassen sich Verbände schnell anlegen, herkömmliche Watte in Plastikbeuteln eignet sich aber ebenso gut.

» Wundbalsam: Beim Tierarzt erhalten Sie ein geeignetes Mittel, mit dem sich Wunden im Notfall desinfizieren und behandeln. Wichtig ist, dass es nicht brennt.

» Verbandschere: Sie sollte eine abgerundete Spitze haben, um die Verletzungsgefahr gering zu halten.

» Zeckenzange und Pinzette: damit lassen sich Zecken ganz einfach herausdrehen. Die Pinzette dient u. a. zur Entfernung von Schmutz aus Wunden.

» Jod- Lösung: Zur Desinfizierung und Blutstillung. Vorsicht bei Katzen! Nur ausgewiesene Präparate verwenden, die den Einsatz bei der Katze erlauben (nicht bei größeren Wunden einsetzen).

» Selbstklebende Binde: Mit elastischen Binden, die von selbst haften, können Sie im Notfall sehr rasch Verbände befestigt werden (an Pfoten niemals Wattepolster vergessen).

» Ringer-Lösung: Sterile Elektrolytlösung ist ideal, um Wunden zu reinigen und Fremdkörper aus dem Auge zu spülen.

» Mullbinden: Sie eignen sich nicht nur zum Anlegen eines Wundverbandes, sondern auch zusammengerollt für einen Druckverband.

» Sterile Tupfer: Diese bekommen Sie entweder bei ihrem Tierarzt oder abgepackt in der Apotheke.

» Kalzium- Trinkampullen: Diese können bei Insektenstichen verabreicht werden.

Rechtliche Fragen

Notfälle beim Tier sind häufig mit Schadensersatzansprüchen verbunden, sei es dass das Tier selbst Schäden verursachte, beispielsweise bei einem Verkehrsunfall, sei es dass die Schäden am Tier und die Tierarztrechnung Streitgegenstand sind, etwa, wenn ein friedlicher, angeleinter Hund von einem freilaufenden gebissen wird.

§ Schäden durch das Tier
Bei Verkehrsunfällen wird die Schuld dem Tier angelastet, „wenn es in seiner Unberechenbarkeit ursächlich an dem Schaden beteiligt war“, also praktisch immer. Für den Tierhalter heißt das, er haftet für den durch sein Tier entstandenen Schaden, selbst wenn ihn keine Schuld trifft und das Tier nicht unter seiner Aufsicht war. Wurde das Tier durch einen „Tierhüter“ betreut, das ist jemand, der gegen ein vertraglich geregeltes Entgelt das Tier beaufsichtigt, haftet auch dieser. Die gelegentliche Sorge um das Tier fällt allerdings nicht darunter, beispielsweise wenn Nachbarn während des Urlaubs die Katze versorgen oder die Haushälterin den Hund ausführt. Die Privathaftpflicht- Versicherung des Halters deckt Schäden nur bei Katzen und Kleintieren (auf entsprechende Klausel achten!), bei Hunden sollte unbedingt eine Hundehaftpflicht- Versicherung abgeschlossen werden.

§ Schäden am Tier
Bei Raufereien zwischen Tieren wird die Schuld im allgemeinen zwischen den Kontrahenten geteilt, das heißt, die Tierarztrechnungen werden bis zu einer bestimmten Obergrenze auf die Halter umgelegt. Wenn die Schuld jedoch eindeutig bei einer Partei liegt, in dem beispielsweise ein angeleintes, friedliches Tier von einem freilaufenden Hund angegriffen wird, haftet der Halter des Angreifers für die Tierarztkosten. Das gilt natürlich auch bei tierquälerischen Handlungen wie Schlägen, Tritten oder Schüssen, die ein friedliches Tier treffen (Ausnahme: Jäger sind berechtigt im Wald wildernde Tier abzuschießen).

§ Fundtier
Für Fundtiere ist die Gemeinde zuständig, das heißt sie übernimmt die Kosten für die tierärztliche Notfallversorgung. Wird ein Halter ausfindig gemacht, muss er die Kosten erstatten, auch für die anschließende Unterbringung im Tierheim. Um ein Tier in Lebensgefahr zu retten, darf man auf fremden Grund und Eigentum eigenmächtig handeln. Allerdings sollte man sich stets einen Zeugen suchen, das empfiehlt sich übrigens auch für Beißereien, bei denen ein Hund angeleint war.

Grundlagen der Ersten Hilfe

Bevor Sie helfen
» Ein akuter Notfall erfordert klares Denken und zielgerichtetes Handeln. Die erste Regel lautet daher: Bewahren Sie Ruhe.

» Obwohl einige Sofortmaßnahmen für das Leben des Tieres sehr wichtig sind, kann die Erste Hilfe niemals die Behandlung beim Tierarzt ersetzen. Das wichtigste Ziel sollte daher stets sein, baldmöglichst einen Tierarzt zu erreichen. Rufen Sie Hilfe herbei, damit Sie sich auf lebensrettende Maßnahmen konzentrieren können, während ein Helfer assistiert, beim Tierarzt anruft, den Wagen fährt etc.

» Falls das Tier noch auf Zuruf reagiert, nähern Sie sich vorsichtig und prüfen Sie den Zustand des Patienten. Seien Sie darauf gefasst, dass auch ein Ihnen vertrautes Tier in Notfallsituationen unvermittelt beißen oder kratzen kann.

» Sind keine Atembewegungen zu erkennen und wirkt das Tier völlig leblos, ist es möglicherweise durch sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen noch zu retten.

» Hellrote pulsierende Blutungen (Schlagader) sollten abgebunden werden oder einem Stapel steriler Gazetupfer aus der Notfallapotheke fest abgedrückt werden, während Sie das Tier zum Tierarzt bringen.

Wiederbelebung
Ziel ist, die Sauerstoffversorgung der wichtigsten Organe wiederherzustellen. Dazu muss sowohl die Atmung als auch der Blutkreislauf funktionieren. Gehen Sie bei einem leblosen Tier wie folgt vor:

Atemweg
Öffnen Sie das Maul und ziehen Sie die Zunge nach vorne. Sehen Sie in den Rachen und entfernen Sie Fremdkörper, Schleim oder Erbrochenes, um die Atemwege freizulegen. Katzen und kleinere Hunde können dazu auch an den Hinterbeinen festgehalten und kopfüber hochgehoben werden (nicht bei Verdacht auf Wirbelsäulenschäden).

Beatmung
Sind die Atemwege frei, können Sie das Tier beatmen. Ziehen Sie ihm dazu die Zunge nach vorn, schließen Sie die Schnauze mit der Hand und strecken Sie den Hals. Beatmen Sie das Tier durch dessen Nase, evtl. mit vorgehaltenem Tuch. Beatmen Sie etwa alle drei Sekunden und achten Sie darauf, dass sich der Brustkorb hebt, aber nicht zu sehr wölbt.

Zirkulation (Kreislauf)
Prüfen Sie den Herzschlag an der seitlichen Brustwand und den Puls an der Innenseite des Oberschenkels. Sind Sie sicher, dass ein Herzstillstand vorliegt, sollten Sie eine externe Herzmassage vornehmen. Dazu legen Sie ein gefaltetes Handtuch unter den Brustkorb des Tieres und legen die linke Hand flach auf den Brustkorb, etwa in Höhe des Ellbogens. Danach pressen Sie in schneller Folge fünf- bis zehnmal mit der rechten Hand flach auf Ihre Linke, um das Herz wieder zum Schlagen anzuregen. Bei Katzen müssen Sie natürlich vorsichtiger (mit zwei Fingern) massieren. Beatmen Sie das Tier jeweils ein- bis zweimal, bevor Sie den Herzschlag kontrollieren und ggf. erneut massieren.

Notfälle von A bis Z

Allergie / Insektenstich
Bei einer allergischen Reaktion nach einem Insektenstich schwillt die betroffene Körperpartie an, und das Tier zeigt deutlichen Juckreiz. Lebensbedrohliche Folgen hat es, wenn der Insektenstich im Rachen liegt und die Atemwege zuschwellen. Dann muss sofort zum Tierarzt gefahren werden, der durch Kortisonpräparate die Schwellung zum Abklingen bringen kann. Stiche in der äußeren Haut behandelt man mit kalten Umschlägen und Kalziumgaben zum Futter, z. B. als Trinkampullen

Anfall / Epilepsie
Epileptische Anfälle sehen meist dramatischer aus, als sie sind: Die Tiere fallen aus heiterem Himmel um und beginnen zu zittern bzw. mit den Beinen zu „rudern“. Nach wenigen Minuten erlangen sie das Bewusstsein wieder und verhalten sich ganz normal. Gefährlich wird es, wenn sich die Anfälle häufen oder länger andauern: Deshalb sollten Sie das Tier auf jeden Fall beim Tierarzt untersuchen lassen, auch wenn es sich wieder vollständig erholt hat. Einigen Anfallsleiden liegen Organerkrankungen zugrunde, andere gehen vom Gehirn selbst aus, können aber mit Medikamenten behandelt werden. Fassen Sie das Tier während des Anfalls nicht an, sondern schaffen Sie Platz, so dass es sich nicht verletzen kann.

Augenverletzung
Risse des Augenlids müssen unbedingt genäht werden, auch Verletzungen der Hornhaut, festsitzende Fremdkörper oder einen vorgefallenen Augapfel muss baldmöglichst der Tierarzt behandeln. Bei freibeweglichen Fremdkörpern kann man versuchen, diese mit Elektrolytlösung herauszuspülen. Um das Tier während des Transports zum Tierarzt daran zu hindern, sich am Auge zu reiben, sollte eine feuchte Abdeckung darübergelegt und mit einem Kopfverband befestigt werden.

Ein Tipp: Die Flasche mit Elektrolytlösung in der Notfallapotheke kann mehrfach verwendet werden, wenn Sie die Flüssigkeit mit einer sterilen Einmalspritze entnehmen.

Ertrinken
Hunde und in Maßen auch Katzen können schwimmen und sich retten, wenn sie ins Wasser fallen. Gefährlich wird es, wenn das Ufer zu steil ist (Swimmingpool, Kanal, Fass) oder wenn die Tiere im Winter ins Eis einbrechen. Retten Sie das Tier, ohne sich selbst zu gefährden, und wickeln Sie es warm ein. Wenn es bereits das Bewusstsein verloren hat, entfernen Sie zunächst das Wasser aus den Lungen, indem Sie das Tier an den Hinterbeinen festhalten und kopfüber hin und her schwingen. Bei größeren Hunden ist es oft nur möglich, den Körper schräg anzuheben. Anschließend beginnen Sie mit der Widerbelebung. Gehen Sie auf jeden Fall zum Tierarzt, da Schock-Gefahr besteht und Spätfolgen auftreten können.

Geburtsschwierigkeiten
Bei erstgebärenden Tieren kann es zu eine verzögerten Geburtsablauf kommen. Spätestens eine Stunde nach Beginn der Presswehen sollte allerdings der erste Welpe geboren sein. Rufen Sie bei Verzögerungen und anderen Hinweisen auf eine Störung Ihren Tierarzt an und fragen Sie ihn um Rat. Das gilt auch, wenn trotz Geburtstermin keinerlei Anzeichen für Wehen bestehen. Wenn das Tier bei gutem Allgemeinbefinden ist, kann bis zum 70. Tag der Trächtigkeit gewartet werden. Wenn das Tier übelriechendes, dunkelgrünes Sekret aus der Scheide absondert oder die Körpertemperatur ansteigt (Hündinnen über 39°C, Katzen über 39,3°C), ist das ein Hinweis auf abgestorbene Welpen bzw. eine Infektion der Geburtswege. Dann sollte das Tier baldmöglichst beim Tierarzt vorgestellt werden, ebenso, wenn die Mutter nach der Geburt schwach ist, nicht frisst oder die Welpen vernachlässigt. Treten während der Wehen große Mengen an hellrotem Blut aus, liegt vermutlich eine Verletzung der Geburtswege vor, und das Tier muss schnellstmöglich zum Tierarzt gebracht werden. Das gilt auch, wenn um den Geburtstermin Zitterkrämpfe einsetzen. Dazu kann es kommen, wenn zu wenig Kalzium für die Milchproduktion zur Verfügung steht. Die Krämpfe müssen durch Kalzium-Infusionen beim Tierarzt behandelt werden. Vorbeugend sollte die Versorgung mit Kalzium während der Trächtigkeit optimiert werden.

Herzversagen
Bei älteren Tieren mit Herzerkrankungen kann eine starke Belastung (Bewegung, Hitze, Aufregung) zum plötzlichen Herzversagen führen. Doch auch starke Flüssigkeitsverluste, z.B. durch Blutungen, Durchfall, Erbrechen oder Verbrennungen, können über den Schock zum Herzversagen führen. Das Gehirn nimmt Schaden, wenn es länger als drei Minuten ohne Sauerstoffversorgung ist, daher ist beim Herzversagen höchste Eile geboten: Gehen Sie nach dem Schema zur Wiederbelebung vor und bitten Sie jemanden, Sie währenddessen schnellstmöglich zum Tierarzt zu bringen. Bei Flüssigkeitsdefizit kann nur eine sofortige Notfallversorgung mit Infusionen das Tier retten. Liegt ein Herzschaden oder eine andere schwere Grunderkrankung wie z. B. Tumore vor, sind die Überlebenschancen trotz Wiederbelebung gering. Vorbeugend können Sie regelmäßig das Herz untersuchen lassen und Übergewicht vermeiden.

Hitzschlag
Werden Tiere an warmen Tagen in Autos eingesperrt, kann sich der Innenraum sogar im Halbschatten so stark aufheizen, dass es zu einem Hitzschlag kommt: Tiere hecheln stark, taumeln und zeigen gerötete Schleimhäute (Zahnfleisch). Katzen können auch einen Hitzschlag erleiden, wenn sie versehentlich im Wäschetrockner eingeschlossen werden. Kühlen Sie das Tier mit kaltem Wasser ab, insbesondere den Kopf, und massieren Sie die Gliedmaßen, um den Kreislauf anzuregen. Ist das Tier bereits bewusstlos oder erbricht es sich bzw. finden sich Anzeichen für einen Schock, sollten Sie sofort einen Tierarzt aufsuchen.

Innere Verletzungen
Besonders bei Autounfällen oder hohen Stürzen kann es zu inneren Verletzungen kommen, die nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Auch wenn ein solcher Zwischenfall scheinbar glimpflich abgegangen ist, sollten Sie das Tier unbedingt beim Tierarzt untersuchen lassen und einige Zeit aufmerksam beobachten: Machen Sie bei Anzeichen für Kreislaufschwäche (Hecheln, blasse oder bläuliche Schleimhäute, Schwäche) die Druckprobe am Zahnfleisch, und achten Sie auf eine ungestörte Atmung ohne Rasselgeräusche. Verschlechtert sich der Zustand des Patienten oder zeigt er gar Schocksymptome, muss er unbedingt zum Tierarzt gebracht werden.

Knochenbrüche
Brüche sind nicht immer als solche erkennbar. Besonders geschlossene Brüche, bei denen die Haut unverletzt bleibt, können unbemerkt bleiben oder wie eine Verrenkung oder Bänderverletzung aussehen. Besteht der Verdacht auf einen Bruch, z.B. nach einem Unfall, sollte auf jeden Fall ein Tierarzt konsultiert werden. Erst durch eine Untersuchung und Röntgenaufnahme lässt sich das Ausmaß des Schadens beurteilen. Offene Brüche bei denen die Haut verletzt ist oder gar ein Stück des Knochens vorsteht, müssen dringend tierärztlich versorgt werden. Prüfen Sie zunächst, ob das Tier einen Schock erlitten hat, und decken Sie dann die Wunde und den Knochen mit sterilem Verbandsmaterial oder einem frischen Handtuch ab. Geben Sie keinesfalls Wundbalsam oder Salben auf den offenen Bruch. Bringen Sie den Patienten zum Tierarzt und stützen Sie ihn beim Transport, ohne die Bruchstelle zu bewegen oder zu berühren, z.B. durch ein untergelegtes zusammengefaltetes Handtuch. Zum Transport können Sie auch eine harte Unterlage, z.B. ein Brett, benutzen, das ins Auto passt.

Schock
Bei allen Notfallsituationen sollten Sie das Tier zuerst auf Anzeichen für einen Schock untersuchen: Schnelle Atmung, rasender Puls, blasse Schleimhäute mit verzögerter Füllung nach der Druckprobe, niedrige Körpertemperatur (unter 37°C) und kalte Gliedmaßen. Im späteren Stadium kommt es zu flacher, langsamer Atmung, unregelmäßigem Herzschlag und Reaktionslosigkeit. Die Bekämpfung des Schocks hat Vorrang vor allen anderen Notfallmaßnahmen! Legen Sie das Tier auf die Seite und strecken Sie seinen Kopf. Heben Sie Becken und Hinterläufe an und legen Sie ein Kissen o. ä. darunter. Stillen Sie starke Blutungen durch einen dicken Druckverband. Falls nötig, führen Sie Wiederbelebungsmaßnahmen durch. Schützen Sie das Tier durch eine Decke vor weiterem Auskühlen und bringen Sie es sofort zum Tierarzt.

Denken Sie daran, das auch starke allergische Reaktionen, z.B. auf Insektenstiche oder Medikamente, zum Schock führen können

Stromschlag
Tiere können beim Zerbeißen von stromführenden Kabeln einen Stromschlag erleiden. Diese Situation kann auch für Sie sehr gefährlich sein – denken Sie also an Ihre Sicherheit: Berühren Sie weder das Tier noch Flüssigkeiten in der Nähe der Stromquelle, sonder drehen Sie zuerst den Strom ab. Befreien Sie dann das Tier, notfalls mit Hilfe eines Holzstiels. Überprüfen Sie Herzschlag und Atmung und beginnen Sie ggf. mit der Wiederbelebung. Achten Sie auch Anzeichen für einen Schock. Stromschläge verursachen Brandwunden mit hellem Zentrum und gerötetem Rand. Bringen Sie das Tier zum Tierarzt und versorgen Sie die Verbrennungen.

Unterkühlung
Hunde und Katzen sind durch ihr Fell gut vor Kälte geschützt. Bei extremen Temperaturen kann es allerdings an den Ohrrändern zu Erfrierungen kommen. Gefährlich wird es, wenn ein Tier im Winter in ein Gewässer stürzt oder ins Eis einbricht. Das durchnässte Fell verliert seine Dämmfunktion, und die Tiere können rasch auskühlen. Unterkühlung führt zu Zittern, Schwäche, Krämpfen und Bewusstlosigkeit. Häufig besteht ein Schock. Bekämpfen Sie zuerst den Schock bzw. führen Sie Wiederbelebungsmaßnahmen durch. Führen Sie dann dem Tier Wärme zu, indem Sie es in eine Decke wickeln, auf die Sie eine Wärmflasche legen. Fahren Sie sofort zum Tierarzt. Lassen Sie dort auch Erfrierungen behandeln, die sich in roten, geschwollenen Ohrrändern oder einer geröteten Schwanzspitze zeigen.

Verbrennungen
Bei Verbrennungen sollten die betroffenen Körperstellen sofort 20 Minuten lang mit kaltem Wasser gespült werden. Decken Sie offene Brandwunden dann mit sterilen Mullbinden oder einem frischen Handtuch ab, und bringen Die das Tier zum Tierarzt. Tragen Die keine Brandsalben o. ä. auf. Achten Sie auf Schocksymptome, die auch erst nach Tagen auftreten können. Selbst relativ kleine Verbrennungen können lebensbedrohliche Folgen haben, wenn durch den Flüssigkeitsverlust und die Entzündungsreaktion der Haut ein Schock ausgelöst wird.

Vergiftung
Besonders Katzen reagieren sehr empfindlich auf Giftstoffe und Kontaminationen des Fells. Aber auch Hunde können in ihrer Gier giftige Substanzen aufnehmen. Haben Sie die Aufnahme des Giftes beobachtet, sollten Sie das Tier und möglichst eine Giftprobe sofort zum Tierarzt bringen. Dieser kann dann Erbrechen auslösen und nach Rücksprache mit der Giftzentrale geeignete Gegenmaßnahmen einleiten. Denken Sie auch daran, dass Tabak, Verhütungspillen und menschliche Arzneimittel für Tiere giftig sein können. Haben Sie lediglich den Verdacht, es könnte eine Vergiftung vorliegen, sollten Sie zunächst mit dem Tierarzt telefonisch Kontakt aufnehmen. Erbrechen tritt zwar bei vielen (nicht allen) Vergiftungen auf, hat aber in den meisten Fällen eine andere Ursache. Anzeichen einer Vergiftung können je nach Substanz sein: Erbrechen, Speicheln, Rötungen der Maulhöhle, Blässe, Durchfall, Zittern, Bewegungsstörungen, Atemnot, Husten, Teilnahmslosigkeit und Schmerzen, meist mit der Tendenz zur Verschlechterung. Achten Sie auf Schocksymptome und bringen Sie das Tier zum Tierarzt.

Verletzungen von Haut und Muskulatur
Neben Verkehrsunfällen und Beißereien können auch Stiche und Schusswunden starke Blutungen verursachen. Bei hellrot pulsierendem Blut droht rascher Blutverlust. Binden Sie oberhalb der Wunde ab bzw. legen Sie einen Druckverband an und bringen Sie das Tier sofort zum Tierarzt. Achten Sie auf Schocksymptome. Falls die Wunde die Brusthöhle eröffnet, droht ein Lungenkollaps. Achten Sie auf saugende Atemgeräusche und pressen Sie eine sterile Abdeckung auf die Wunde am Brustkorb, Bisswunden sind meist infiziert und sollten, unabhängig von ihrer Größe, stets beim Tierarzt versorgt werden. Steckt ein Fremdkörper in der Wunde, ziehen Sie nicht heraus, sondern schneiden Sie ihn einige Zentimeter über der Wunde ab, und legen Sie für den Transport einen Verband an. Schmutz und kleinere Fremdkörper können Sie mit steriler Elektrolytlösung aus der Wunde spülen, bevor Sie einen Verband anlegen. Denken Sie immer daran, dass Sie beim Verbinden die Blutzirkulation nicht abschnüren dürfen.